2050 kommt schneller, als man denkt

Um es vorweg zu nehmen, im Jahr 2050 sind die von den Stadtentwicklungen geplanten Quartiere längst gewachsen. Die Nahtstellen zu anderen Projekten wurden geschlossen, aus Inseln wurden Landmarken innerhalb der Region. Enden aber mit diesen Leuchttürmen alle planerischen Wünsche?

Natürlich nicht

Bei allen Entwicklungen in Bildung, Kultur und der Entwicklung Neuer Technologien konnte ein grundlegender Widerspruch noch nicht aufgelöst werden: der Abzug der Menschen. Bei aller Dichte zukunftsfähiger Arbeitsbereiche fehlt eine ausreichende Zahl an qualifizierten Mitarbeitern. Die Region schultert eine große Belastung des demographischen Wandels mit gravierenden Folgen.

Laut Bertelsmann-Studie zum demographischen Wandel aus dem Jahr 2005 entstehen die kommenden Probleme im deutlichen Wohnungsleerstand – ein Rückbau auf teilweise Null ist dabei nicht auszuschließen. Ausgegangen wird von einem Bevölkerungsrückgang zwischen 10 und 30 Prozent. Sichtbar werden könnten die Konsequenzen schon in den nächsten Jahren.

So wird allein die Stadt Herne – laut Studie – ab 2015 etwa 12.000 Einwohner verlieren, dies entspricht etwa 270 Wohnungen. In Duisburg soll die Einwohnerzahl um 50.000 Bewohner auf 400.000 sinken – noch weit mehr Wohnungen. Spielen wir demnächst Golf vor dem Rathaus?

Aufgelockerte Strukturen

Angesichts dieser Zahlen darf man aber auch träumen. Im Jahr 2050 sind die Auflagen für Wohngebiete gelockert. Schon längst gibt es dort Kneipen, Bistros, Dienstleistungsunternehmen dürfen ihre Läden und Büros eröffnen. das Leben findet wieder verstärkt auf der Straße statt.

Ärztehaus steht neben Unternehmen, steht neben Einkaufsmöglichkeiten neben Bistro und Café neben Seniorenzentrum neben Apotheke und Friseurladen – so wie es in vielen Quartieren des Ruhrgebiets schon lange gang und gäbe ist. Die Isolierung der unterschiedlichen Gruppen – Ältere, Jüngere, Banker, Migranten, Kreative – vermischen sich in den ‘Veedeln’.

Kernstädte werden weiter aufgelockert, nachdem der erneuten ‘Landflucht’ Rechnung getragen wurde und bereits eine Vielzahl urbaner Quartiere entstanden sind. Immer mehr Grünflächen für Erholung und Freizeit sind innerstädtisch angelegt, man kann auch Boccia spielen. Lärm und Enge gehören der Vergangenheit an. Ein lebendes Beispiel bietet die Herner Innenstadt rund um den Engelbertbrunnen – hier wurden Boulevards geschaffen, die die Menschen anlocken.

Menschen werden ernst genommen

Man hat umgedacht und sucht nicht mehr pro Kommune den allein selig machenden Großinvestor, der die Steuersäckel füllt. Mittlerweile freuen sich Politik und Verwaltung über jeden Steuerzahler und lächeln ihn freundlich an. Diese Menschen werden ernst genommen! Und dies versetzt Berge, löst Kreativität aus – Städte können sich qualitativ weiterentwickeln.

Diese neuen Unternehmen und Unternehmungen agieren unspektakulär in den Zentren, an deren Rändern, in Quartieren – dort, wo sie ihre infrastrukturellen Anforderungen an Arbeit und Urbanität erfüllt sehen – in Clustern oder in der Nähe von Forschung und Entwicklung.

Das Arbeiten im Park hat seine Monostruktur aufgegeben, die Ränder wurden geschlossen. Die Parks verwachsen mit ihrer Umgebung. Kreativwirtschaft wird nicht mehr an die Ränder abgeschoben – um durch exotische und spektakuläre Aktionen Flächenaufwertung zu betreiben. Um dann, sobald Bodenpreis und Mieten wieder ‘rentierlich’ werden, an anderer Stelle von vorn beginnen zu dürfen. Ihre Wertigkeiten werden anerkannt.

Die Kommunen haben ihr Kirchturmdenken endgültig aufgeben. Die ohnehin kaum noch erfahrbaren Stadtränder erfahren qualitativ hochwertige Verschmelzungen. Das U-Bahnnetz durchzieht mühelos die gesamte Region. Das Ruhrgebiet zeigt sich endlich als zusammenhängendes Kontinuum. (mgb)

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